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Herkunft des Wortes Cocktail

Um die Entstehung des Namen Cocktails ranken sich viele Geschichten. Oft gehen sie mit blumigen Worten ausgeschmückt über die Tresen dieser Welt. Wer will entscheiden, was davon wirklich stimmt.
 
Da „cock“ und „tail“ im Englischen „Hahn“ und „Schwanz“ bedeuten, wurde die Wortschöpfung später häufig mit einem bunten Hahnenschwanz (dem „rooster’s tail“ oder eben „cock tail“) in Verbindung gebracht. So verwendete William T. Boothby bereits 1891 ein entsprechendes Titelbild für sein Cocktailbuch „American Bar Tender“ von 1891.
 
Eine dieser Geschichten erzählt von einem Gastwirt aus Washington, dessen bester Kampfhahn entlaufen war. Nach langer vergeblicher Suche brachte endlich ein junger Soldat den prächtigen Hahn zurück zu seinem Besitzer. Um sich bei dem Finder zu bedanken, bereitete man dem Soldat ein erfrischendes Mixgetränk zu. Dieses war so farbenfroh wie der Hahnenschwanz- englisch: Cocktail- und gab diesem schließlich seinen Namen.
 
Eine weitere Geschichte erzählt von amerikanischen Kampfhähnen. Bei den in Süden der USA verbreiteten Hahnkämpfen hatte der Besitzer des Siegerhahnes das Recht die bunten Schwanzfedern des besiegten Hahnes herauszureißen, die er dann später an sein Getränk steckte. Anschließend trank man ,,on the cock´s tail“- auf das Wohl des Hahnenschwanzes.
 
Häufig ist von dem französischen Apotheker Antoine Amédée Peychaud die Rede, der in New Orleans die ersten Cocktails – heute als Sazerac bekannte Mischungen mit Cognac oder Whiskey, Absinth und Peychaud’s Bitters – in Eierbechern französisch „coquetier“ servierte. Durch Verballhornung sei daraus später das Wort Cocktail geworden. Die Nähe des Sazerac zum Bittered Sling – beides Mischungen aus Spirituose, Zucker, Wasser und Bitter – würde für diese Theorie sprechen, gäbe es nicht ein Zeitproblem: Peychaud stelle seinen Bitter erst um 1830 her, als der „Cocktail“ längst verbreitet war.
 
Der Historiker David Wondrich erinnert demgegenüber einer Theorie die besagt, dass der Name von dem Begriff ,,cock-tailed“, (,,mit dem Schwanz des Hahnes“)stammt, mit dem man im 18. und 19. Jahrhundert in Amerika nicht reinrassige Rennpferde beschrieb. Weil deren  Schweif häufig kupiert war, erinnerte er an den, in der Luft stehenden Schwanzfedern eines Gockels. Die Bezeichnung von Pferden, in deren Adern gemischtes Blut floss, schien ein angemessener Name für Drinks, deren Qualität ebenfalls aus der Verschiedenheit der Inhaltsstoffe herrührte.
 
Allem voran ist die Geschichte von Betsy Flanagan in den Vereinigten Staaten sehr beliebt. Sie soll 1789, während der Amerikanischen Revolution, in der ihr Mann verstorben war, eine Kneipe wahlweise in Four Corners, Elmsford oder Yorktown eröffnet haben, die von amerikanischen und französischen Soldaten frequentiert wurde. Eines Abends hätte sie den Offizieren Geflügel serviert, angeblich von einem verhassten englischen Nachbarn gestohlen. Nach der Mahlzeit servierte sie Bracer (oder Punch), seinerzeit beliebte Getränke, und dekorierte die Gläser mit den Federn des Gebratenen Huhns. „Let’s have some more Cocktail“ und „Vive le cocktail“ sollen die Offiziere ausgerufen haben – und der erste Cocktail war geboren.

Tatsächlich geht die Anekdote jedoch auf den Autor James Fenimore Cooper (1789-1851) zurück, der 1821 eine Figur namens Betty Flanagan für seine Geschichte The Spy. A tale of Neutral Ground erfunden hatte. Betty Flanagan war darin eine Hotelwirtin in Four Corners und habe den „Cocktail“ während der Revolutionszeit, in der das Buch spielt, erfunden. Ob Betty ein reales Vorbild hatte, möglicher Weise eine Kneipenwirtin namens Catherine „Kitty“ Hustler aus Storm’s Bridge (heute Elmsford, New York), wo Cooper zeitweise wohnte, konnte nie geklärt werden, jedenfalls ist aus ihr später die erwähnte Betsy geworden.
 
Ganz gleich woher die Bezeichnung auch wirklich stammt, Mischgetränke existieren schon seit der Antike.